Historische Glocke aus Möllbergen geht ins Siegerland

Historische Glocke aus Möllbergen geht ins Siegerland

Historische Glocke aus Möllbergen geht ins Siegerland

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Historische Glocke aus Möllbergen geht ins Siegerland

Bericht von Kevin Potter, Ev. Kirchenkreis Vlotho:

„Jesus Maria“ kehrt heim

Historische Glocke aus Möllbergen geht ins Siegerland

Glocke Jesus Maria
© KG Porta-Süd

„Im Jahre 1450. Jesus Maria heiße ich. König der Ehren, komme mit Frieden“: So steht es in kunstvollen Lettern am Hals der historischen Möllberger Kirchenglocke. 63 Jahre lang hatte sie in Möllbergen geläutet. Doch das war nur eine Episode in ihrem langen Leben. Fast ein halbes Jahrtausend hatte die Glocke ihre Heimat in Holzhausen-Burbach im Siegerland. Jetzt trat die Glocke ihre Heimreise einmal quer durch Westfalen an.

Wie kam eine mittelalterliche Glocke aus dem Siegerland nach Ostwestfalen? Schuld war der Zweite Weltkrieg und der Metallhunger der Rüstungsindustrie. 1943 wurden zwei spätmittelalterliche Glocken des Gießers Johann Brauweiler aus Holzhausen-Burbach auf den Glockenfriedhof in Hamburg gebracht - zur Einschmelzung. Zwischen unzähligen anderen eingezogenen, gespendeten und gestohlenen Glocken warteten die beiden dort auf ihr scheinbar unvermeidliches Ende. Es sollte nicht so kommen. Sie überlebten die Bombardierung Hamburgs und erlebten das Kriegsende an der Elbe. Zusammen mit ihnen hatten nur einige Tausend von fast 90,000 Glocken in Hamburg den Krieg überstanden.

„Die Glocke blieb verschollen“

© Ev. Kirchenkreis Vlotho

Zwei Jahre später erhielt die Heimatgemeinde die Nachricht, dass ihre Glocken überlebt hatten und sich bald auf den Heimweg machen würden. Doch sie kamen nie an. Was war geschehen? Die Glocken waren ins falsche Holzhausen verschickt worden - nicht ins südwestfälische Dreiländereck, sondern an die Porta. Der Fehler wurde entdeckt, eine Glocke in Holzhausen ausfindig gemacht, und 1950 konnte die Gemeinde ihre „Kehr-Wieder-Glocke“ in Empfang nehmen. „Die Glocke mit der Inschrift 1450 blieb verschollen“, berichtet die Burbacher Gemeindechronik. War sie doch im Krieg eingeschmolzen worden?

Tatsächlich war auch die zweite Glocke ins falsche Holzhausen und dann nach Möllbergen gebracht worden. Hier blieb sie, bis der Möllberger Gemeindesaal 1962 zur Kirche umgebaut wurde und ein eigenes Geläut erhalten sollte. Zusammen mit einer neu gegossenen Glocke begleitete sie dort die Gemeinde über die Jahrzehnte mit ihrem Klang. Nachdem die Kirchengemeinde Porta Westfalica-Süd sich zum Jahreswechsel von der Möllberger Kirche verabschiedet hatte, musste ein neuer Einsatzort gefunden werden. Dann überschlugen sich die Ereignisse: Der Glockensachverständige der Landeskirche, Claus Peter, konnte die Brauweiler-Glocke identifizieren. Der Kontakt zwischen den Gemeinden wurde hergestellt. Der Heimatverein im siegerländischen Holzhausen nahm sich der Sache an. Man verständigte sich schnell, und die Glocke sollte in ihre Heimat zurückkehren. Der Ausbau in Möllbergen konnte beginnen.

Eine halbe Tonne Glockenbronze am Haken

© Ev. Kirchenkreis Vlotho

Zentimeter für Zentimeter wurde die Glocke von den Fachleuten der Herforder Firma HEW aus dem Turm bugsiert, bis sie frei in der Luft schwebte - ein kritischer Moment angesichts der 576 Jahre Geschichte und fast halben Tonne Metall, die über den Köpfen der Zuschauenden hing. Mit einem letzten leisen Läuten verabschiedete sich die Glocke von der Porta, bevor sie von der Siegerländer Delegation um Volker Dietewich sorgsam für die Rückreise verstaut wurde.

Glocke verlässt den Turm
© Ev. Kirchenkreis Vlotho

„Ein weiteres Stück Möllbergen ist Geschichte“, schloss Pfarrer Torsten Willimczik. Es ist ein Abschied auf Raten: Zum Jahreswechsel hatte die Gemeinde die Kirche entwidmet. Mit dem Ausbau der Orgel war ein großer Schritt getan. Jetzt war auch der Turm entleert. Die Vorbereitungen für den Rückbau des Gebäudes laufen. 

In Holzhausen-Burbach wurde schon auf die Heimkehrerin gewartet. Eine Blumenkrone war bereits gebunden, mit der die Glocke geschmückt und noch am Abend in der Kirche empfangen wurde, „mit vollem Geläut“, wie Volker Dietewich berichtet.

© Ev. Kirchenkreis Vlotho

Die jüngere der beiden Möllberger Glocken verbleibt noch eine Weile im Ort, bis auch sie an einen neuen Einsatzort kommt. In Sögel in der Emsländer Geest soll auch sie wieder den Stundenschlag übernehmen. Pfarrerin Katharina Kenter-Töns freut sich, dass die Möllberger Glocke eine andere Gemeinde begleiten kann. Torsten Willimczik sieht dies auch für die Siegerländer Glocke: „Wir hoffen, dass sie dort wieder zur Ehre Gottes gut läuten wird.“

© Ev. Kirchenkreis Vlotho

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