Abbau der Möllberger Orgel

Abbau der Möllberger Orgel

Abbau der Möllberger Orgel

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Abbau der Möllberger Orgel

Ein Instrument geht auf Reisen

Orgel der Möllberger Kirche wird abgebaut (von Kevin Potter)

Behutsam hebt Mathias Johannmeier die große Pfeife aus der Orgel. Sie ist nur eine von über 1050 Pfeifen, aber mit fast drei Metern Länge eine der schwersten Pfeifen des Instruments in der Möllberger Kirche. Um die Blei-Zinn-Legierung zu schonen, trägt der Orgelfachmann aus Stemwede Handschuhe und bugsiert die 20 Kilo Orgelmetall mit der Schulter. Es sind überraschend vorsichtige Handgriffe, mit denen der Orgelbauer die Pfeifen bewegt. Denn „raus müssen sie sowieso“, erklärt Johannmeier: Die Orgel der zur Jahreswende entwidmeten Kirche wird abgebaut und soll bald eine neue Heimat finden.

Noch eine Steinmann-Orgel: Die Instrumente der Vlothoer Orgelwerkstatt sind in ganz Westfalen weit verbreitet. Selbst hinter mancher historisch anmutender Orgel versteckt sich Steinmann-Technik, und gerade die vielen Kirchbauten der Nachkriegszeit sind oft mit den damals stilprägenden Instrumenten aus Vlotho-Wehrendorf ausgestattet. Massenware sind sie nicht, betont der Orgelbauer. Man merkt Mathias Johannmeier den Respekt vor den Orgeln seines Lehrbetriebs an. Mit Begeisterung erzählt er von frühen Nachkriegsorgeln von Steinmann. Viele Kirchengemeinden ordnen zurzeit ihre Gebäudelandschaft neu, und manche der Orgeln aus Kirchen und Gemeindezentren der 1950er und 1960er Jahre müssen jetzt, kaum ein Menschenleben später, eine neue Nutzung finden. 

So auch in Möllbergen. Lange hatte sich die Gemeinde mit einem Harmonium zufriedengeben müssen. Pfingsten 1970 war es dann soweit: Die junge Möllberger Kirche erhielt ihre Orgel, damals noch raumbeherrschend auf der Empore angebracht. Die Orgel hatte seitdem die bewegte Geschichte der Möllberger Kirche mitgemacht, einschließlich des dramatischen Dachbrands während des Gottesdienstes im Herbst 1991.

Die größte Veränderung erlebte sie im März 2009: Nicht nur baulich wurde die Orgel angepasst, um mehr Platz an den Tasten zu lassen. Auch den Klang hatte sich der Orgelbaumeister Michael Schröder, der schon beim Aufbau 1970 dabei war, vorgenommen. „Hart und steil“ sei er zuvor gewesen, ein Markenzeichen für viele neobarock ausgerichtete Steinmann-Orgeln. Auch in Möllbergen waren die hohen Töne sehr präsent, während die Orgel in den mittleren Tonlagen eher schwachbrüstig war. Von ihrem jetzigen Standort, leicht seitlich zur Hauptachse des Raums, und mit einem runderen, volleren Ton begleitete die Orgel seitdem und bis zum letzten Gottesdienst die Gemeinde in Möllbergen.

Drei Tage Arbeit hat Mathias Johannmeier für den Abbau angesetzt. Nicht nur die vielen Hundert Pfeifen müssen vorsichtig ausgebaut werden. Auch der Spieltisch und die komplexe Technik, die aus Metall- und Holzröhren ein vielfältiges Instrument macht, muss reisefertig gemacht werden. „Am Ende steht hier nur noch ein Schrank,“ erklärt der Orgelbauer halb im Scherz.  Abschließend wird alles auf einen LKW verladen und in sein Lager gebracht. Ein Abnehmer stehe schon bereit, deutet der Orgelbauer an. In den Süden würde es gehen, Frankreich oder Italien. Dort sei das Interesse an der deutschen Orgelbaukunst und die Nachfrage nach Orgeln groß. „Selbst in Rom hat nur ungefähr jede dritte Kirche eine Orgel“, erzählt Johannmeier. Irgendwo unter südlicher Sonne wird die große Orgel aus dem Portaner Ortsteil wieder aufgebaut und eine andere Gemeinde musikalisch begleiten. 

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